Wer sind Sie überhaupt? |
| Veröffentlicht von VDS Brandenburg (brunner) am 18.01.2012 |
Zur Situation der Schulmusik im Land Brandenburg
Am Nikolaustag 2011 gab es für den VDS Brandenburg eine besondere „Überraschung“: Die seit knapp zehn Monaten für Bildung, Jugend und Sport zuständige Ministerin, Frau Martina Münch, nahm sich eine dreiviertel Stunde Zeit, um sich die Sorgen unseres Landesverbandes anzuhören.
Zu Beginn dieses Gespräches aber stellte sie die uns mehr als verblüffende Frage: „Wer sind Sie überhaupt?“

Nun gut, eine Ministerin, noch dazu die sechste in Folge seit 1990 (nach Marianne Birthler, Roland Resch, Angelika Peter, Steffen Reiche und Holger Rupprecht) kann nicht alles wissen, dazu hat sie ja ihre Referenten.
Aber Frau Münch saß mutterseelenallein am Tisch. Genau das ist das Dilemma des Musikunterrichts in Brandenburg, seit zwei Jahrzehnten schon: im Ministerium fehlt der „musikalische Mittelbau“, zu Deutsch – es gibt keinen fachkompetenten Ansprechpartner, der für die Belange des Faches Musik zuständig ist.
Gäbe es den, hätte der gar viel zu tun!
1. Sich einen Überblick zu verschaffen, ob und in welchem Umfange Musik an Grundschulen überhaupt noch fachgerecht erteilt wird
2. Die Entscheidung von Gymnasiasten ab Klasse 9 für Kunst, Darstellendes Spiel oder Musik statistisch zu erfassen
3. Festzustellen, wie viele Leistungskurse Musik in der GOST überhaupt noch zustande kommen (Vermutlich wird für deren Zählen eine Hand ausreichen…)
4. Den Zusammenhang zwischen verkürzter Schulzeit und zunehmend schwieriger werdenden musikalischen Ensemblearbeit zu erkennen und Lösungsvorschläge zu entwickeln
5. Die begrüßenswerten Projekte wie „Klasse Musik“ oder “Belcantare“ auf ihre Nachhaltigkeit zu überprüfen
6. Konzepte zu entwickeln, dem Musikfachlehrermangel entgegenzuwirken
7. Ein praktikables, eigenständiges Qualifizierungsmodell für „Quereinsteiger“ auszuarbeiten
8. Dem Lehrernachwuchs attraktivere Einstellungsbedingungen zu bieten
9. Das bislang abgelehnte Modell der Einführung von jahrgangsübergreifenden Ensemblekursen erneut zu prüfen und hier dem guten Beispiel Berlins zu folgen
10. Das Fachberatersystem nicht aufzulösen, sondern praktikabler zu gestalten
Doch es gibt ihn ja nicht, diesen „Fachreferenten“. Somit bleibt es dem (ehrenamtlich tätigen) VDS überlassen, dieses „Zehn-Punkte-Programm“ immer wieder aufs Neue deutlich einzufordern.
„Nebenbei“ kümmert sich der VDS seit nunmehr 20 Jahren erfolgreich und nachhaltig um Lehrerfortbildungen und „musizierende Schulen“. Dafür bekommt er vom MBJS zwar eine willkommene finanzielle Förderung, aber an der ideellen und vor allem bildungspolitisch effizienten Unterstützung mangelt es sehr. Musikunterricht hat in Brandenburg vermutlich keine Lobby. Das merkt man auch der eingangs zitierten Frage an:
„Wer sind Sie überhaupt?“
Reinhard Höhlig (Vorsitzender des VDS Brandenburg)
Andreas Flämig (Ehrenvorsitzender des VDS Brandenburg)
Zuletzt geändert am: 02.02.2012 um 10:43:52
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